Historische Orgel Uttum


Die Orgel in der Uttumer Kirche stammt aus der Hand eines unbekannten Meisters. Ihre Entstehungszeit wird auf die Jahre um 1660 vermutet. Sie gilt als eine der bedeutendsten Renaissanceorgeln, die noch weitgehend vollständig erhalten und spielbar ist. Die Orgel verfügt über neun Register auf einem Manual.

Disposition:

Praestant 8‘
Quintadena 16‘
Gedact 8‘
Quintadena 8‘
Octaaf 4‘
Octaaf 2‘
Sesquialtera II
Mixtur III-IV
Trompet 8‘

Manual: CDEFGA - c‘‘‘, kein Pedal

Klangeffekte: Trommel (2020 wiederentdeckt), Tremulant, Zimbelsterne

Die Orgel ist möglicherweise von Jobst Moritz Hane (1613-1672) "zu Werff Leer und Uttum Häuptling" gestiftet worden. Jedenfalls ziert ein Hahn ihre Spitze. Alten Nachrichten zufolge stand sie ursprünglich an der Westseite des Kirchenschiffs, dicht an der Turmmauer; möglicherweise war sie gar teilweise in den Turm hineingebaut.

Die Flügeltüren wurden 1716 angefertigt, ebenso sind die Bekrönungen über den drei Pfeifentürmen aufgesetzt worden.

1804 wurde das Steingewölbe der Kirche wegen bestehender Einsturzgefahr abgebrochen. Zu ihrem Schutz wurde die Orgel vorübergeehd "conserviret."

1827 erhielt der Orgelbauer Rohlfs aus Esens den Auftrag zu einer umfassenden Restaurierung der Orgel. Aus Anlass der Maßnahme wurde befunden, dass die Ursache der bestehenden Schäden und Mängel in den heftigen Erschütterungen zu finden sei, welchen die Orgel durch das Geläut der Turmglocken ausgesetzt war. Infolgedessen wurde beschlossen, die Orgel aif ihren heutigen Standort auf der Ostempore umzusetzen.

Über die Jahrhunderte sind viele verschiedene Reparaturen belegt. Eine bahnbrechende Restaurierung erfuhr die Orgel 1956-57 durch die Orgelbauer Jürgen Ahrend und Gerhard Brunzema. Die Art und Weise der Restaurierung erwies sich als vorbildlich und wegweisend für zahlreiche weitere Instrumente.

Insbesondere durch die Tätigkeit von Prof. Harald Vogel erlangte die Uttumer Orgel in der Folgezeit neue Aufmerksamkeit nicht nur in Fachkreisen. Mittlerweile wird sie als Orgel von europäischer Bedeutung eingestuft.

Heute kommen Besucherinnen und Besucher buchstäblich aus aller Welt, um dieses kostbare Instrument zu sehen und insbesondere zu hören. Auch im Krummhörner Orgelfrühling ist sie stets vertreten. Ihre Hauptaufgabe erfüllt sie jedoch nach wie vor im sonn- und feiertäglichen Gottesdienst der Gemeinde und bei Kasualgottesdiensten.

Nach einer durch den Kirchenrat der Gemeinde veranlassten sorgsamen Prüfung der Orgel durch Winfried Dahlke, den Landeskirchenmusikdirektor der Ev.-ref. Kirche, zeichnete sich Anfang der 2000er Jahre die Notwendigkeit einer erneuten Sanierung des Instruments ab.

Über viele Jahre hinweg hat die Kirchengemeinde Eigenmittel angespart. Im November 2018 bewilligte der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages Fördermittel aus dem Denkmalschutzsonderprogramm VII in Höhe von 50% der veranschlagten Kosten. Auf dieser Basis konnten weitere finanzielle Mittel bei Stiftungen wie bei der Ev.-ref. Kirche eingeworben werden.

Durchgeführt wurde die Restaurierung im Jahr 2020. Mehr zum Verlauf wie zum Ergebnis der Arbeiten findet sich hier.

 

Letzte Aktualisierung Juli 2021 H. Schaudinn


Zum Nachhören: Orgel vor der Restaurierung. Krummhörner Orgelfrühling 2017, Sietze de Vries, Improvisationen zu Psalm 33

Zum Nachhören: Orgel nach der Restaurierung. Thiemo Janssen 2021 Sweelinck Toccata in G