Taufbecken von 1474

 

Das Taufbecken in der Uttumer Kirche ist im Jahr 1474 n. Chr. von Hinrik Klinghe, einem Erzgießer aus Bremen, gefertigt worden. Die äußere Gestalt erinnert an eine auf den Kopf gestellte Glocke (angefertigt im Überkopfgussverfahren).

Das glockenförmige Becken wird von vier Stützfiguren getragen, welche die vier Evangelisten darstellen. Das Schriftband am oberen Beckenrand nennt die Namen mehrerer weiblicher Heiliger sowie den des Erzgießers: „hindrik klinghe de heft mi gaten“. Im Schriftband am unteren Beckenrand erscheint die Jahreszahl: „MCCCLXXIIII“ (1774)

Auf dem Körper der Beckens ist als Zierat auf der einen Seite die Taufe Christi dargestellt und auf der gegenüberliegenden Seite dessen Kreuzigung. Dazwischen sind Apostel und Heilige zu sehen.

Kirchliche Vorschriften erforderten einen Deckel auf dem Taufbecken. Sie waren bis auf ganz wenige Ausnahmen aus Holz angefertigt. Eine solche kunstvoll geschnitzte Haube zierte bis in die 1960er Jahre hinein die Uttumer Taufe und ist hernach „entschwunden“.Geblieben sind zwei Deckelhalter am oberen Rand des Taufbeckens.

An die Stelle der Haube ist eine massive Holzplatte getreten. In sie ist eine herausnehmbare Taufschale aus Messing eingelassen. Sie trägt die Umschrift „Lasset die Kindlein zu mir kommen“. Diese Taufschale bildet die Veränderung des Taufritus ab. Ehedem wurden die Taufkinder dreifach im Taufbecken untergetaucht - ganz und gar. Heute reichen drei handvoll Wasser, die auf den Kopf des Täuflings ausgegossen werden. In anderen Kirchen und Konfessionen aber ist das völlige Untertauchen der Täuflinge gängige Praxis.

Der Name von Hinrik Klinghe ist auf 8 Glocken aus den Jahren von 1460 - 1477 überliefert, von welchen eine einzige erhalten ist. Neben der Uttumer Taufe findet sich sein Name auf sechs weiteren Erztaufen. Eine von ihnen findet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zu Uttum in der Pilsumer Kirche und stammt aus dem Jahr 1469.

Hinrik (auch: Hinrich) Klinghe gehört zur Familie des Erzgießers Ghert Klinghe. Biografische Daten sind rar, doch ihr Werk an Glocken und Taufen ist reich. Nimmt man zu Uttum und Pilsum die Erztaufen in Groothusen (Ghert Klinghe, 1454) und Eilsum (Barthold Klinghe?, 1472) hinzu, so befinden sich allein in der Krummhörn vier Taufen dieser Familie.

Angemerkt sei an dieser Stelle, dass sich neben der Klinghe - Taufe eine Klinghe - Glocke von 1465 im Geläut der Uttumer Kirche findet (Ghert Klinghe). Die kleine Uhrschlagglocke „Katharina“ von 1444 nennt ihren Gießer zwar nicht, kann aber mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit ebenfalls Ghert Klinghe zugeordnet werden.

23.10.2022, Hartmut Schaudinn

Maße des Taufbeckens: Durchmesser am oberen Rand 81 cm, Gesamthöhe 80 cm, Beckentiefe 40 cm