"Ich habe auf die Einladung gehofft"

Charmant wusste Alina Rotaru der Begrüßung durch Pastor Siek Postma zu entgegnen. Gerade hatte der seine Freude darüber zum Ausdruck gebracht, dass es dem Krummhörner Orgelfrühling gelungen sei, die Cembalistin Alina Rotaru für das Eröffnungskonzert des 21. Krummhörner Orgelfrühlings zu gewinnen. Und sie antwortete: "Ich habe auf die Einladung gehofft, ja geradezu begierig darauf gewartet".

2002 sei sie das erste Mal in der Krummhörn gewesen, so erzählte Alina Rotaru dem Publikum in der vollbesetzten Uttumer Kirche an diesem Abend des 7. Mai 2024. Die Fülle an historischen Orgel in dieser Region habe sie vom ersten Moment an begeistert. Und dass sie nun das Eröffnungskonzert ausgerechnet an der Uttumer Orgel spielen dürfe, sei ein ganz besonderes Glück.

Aus Bukarest stammend lebt Alina Rotaru derzeit in Vilnius in Litauen. Dort befasst sie sich seit einigen Jahren mit dem musikalischen Erbe der polnisch-litauischen Adelsrepublik.  "Eine weitgehend unbekannte musikalische Welt erwartet uns", so hatte Pastor Siek Postma die Zuhörerinnen und Zuhörer eingestimmt. Und dieser Hinweis erging zurecht. "Anonymus", das bedeutet, der Komponist ist unbekannt, so war manches der dargebotenen Stücke überschrieben. Und selbst dort, wo Namen aufgeführt waren, dürften nur die kundigsten Konzertbesucher etwas mit ihnen haben anfangen können.

Längst keine Unbekannte hingegen ist die Uttumer Orgel. Und die dargebotene Orgelliteratur, die vornehmlich aus der Zeit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts und der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts stammen, passte hervorragend zu ihrer Entstehungszeit (um 1660 oder etwas später). Alina Rotaru verstand es, sehr einfühlsam zu registrieren und nach und nach die ganze Klangfülle des Instruments erklingen zu lassen. Unübertroffen ist und bleibt der Prinzipal.

In anderer Hinsicht war das Konzert leise. Es war darum gebeten worden, den Applaus für den Schluss aufzuheben. Dort ertönte er dann auch, reichlich und verdient. Nach einer Zugabe lud die Evangelsich - reformierte Gemeinde zu einem Empfang im nahebei gelegen Gemeindehaus ein. Viele Gäste ließen es sich nicht nehmen, in gastfreundlicher Atmosphäre das Erlebte noch einmal Revue passieren zu lassen. Und hier und da gab es auch ein freundliches "Hallo, schön, dass Sie wieder dabei sind". Denn wie geschrieben: Es war der Auftakt zum 21. Krummhörner Orgelfrühling!

Noch eine halbe Stunde bis Konzertbeginn: Alina Rotaru sammelt Kraft auf den Treppenstufen der Uttumer Kirche.

08.05.2024 Text und Foto: Hartmut Schaudinn


Mit Blasmusik in den Mai

30 April 2024, kurz vor 19.00 Uhr: Auf dem Platz vor Uttums Kirche und Gemeindehaus soll der Maibaum aufgestellt weder. Alles ist vorbereitet. Ein Zelt steht da mit Sitzplätzen und Getränkeausgäbe, die Holzkohle im Grill nebenan wabert rotleuchtend, der Maibaum ist vor Ort und wartet auf letzten Schmuck, bevor er aufgerichtet wird. Große und kleine Gäste haben sich eingefunden. Was fehlt da noch?

Die Blasmusik! Denn irgendeinen offiziellen Anfang muss sie ja haben, die Maifeier. Und Reden - erst recht lange und gar langweilige - wer mag die schon hören? Von wegen: "Wir freuen uns, dass es uns ein weiteres Jahr gelungen ist. für die Bürgerinnen und Bürger unseres schönen Dorfes die Tradition der Maifeier aufrecht zu erhalten und zu organisieren. Wir danken ...usw. " Aber Musik, die ist schon gut. Zum Glück gibt es seit über einhundert Jahren und noch immer den Posaunenchor der Kirchengemeinde. Und von wegen "Die können nur Kirchenlieder". Die konnten immer schon auch anderes und heutzutage können sie es erst recht; "weltliche Lieder", Mailieder, Frühlingslieder, Swingendes, Rockiges, mit Trompeten und Posaune und Tuba und aus gegebenem Anlass auch mit Pauke!

Am Feuerwehrhaus beginnt der Maiumzug mit dem Posaunenchor vorneweg und Maifeierwilligen hinterdrein. Weit ist der Weg zum Kirchplatz nicht, und doch kommt es zupass, wenn sich das Wetter wohlgesonnen zeigt. Es ist trocken und es ist warm. Nun wird der Maibaum aufgerichtet, der Posaunenchor bläst hernach noch das eine und andere Stück, die Kinder des Dorfes holen sich aus einem reichlich beladenen Handkarren die mit Süßigkeiten gefüllten Maitüten ab. Danach wird es gesellig bis in die späte Nacht.

Text und Fotos: 08.05.2024 Hartmut Schaudinn