Pfeife für Pfeife ...

 

... wird im Rahmen der Orgelrestaurierung in die Hand genommen, begutachtet, gereinigt und wenn nötig repariert. Sie sind es wert, die historischen Pfeifen, heißt es doch von der Uttumer Orgel in zahlreichen Veröffentlichungen, ihr Pfeifenwerk sei fast vollständig original erhalten.

"Fast vollständig" ist jedoch nicht gleichzusetzen mit "komplett vollständig. Selbstverständlich sind im Verlauf von 360 Jahren durch verschiedene Hände allerlei Reparaturen und Erhaltungsmaßnahmen durchgeführt worden. Manches konnte und manches sollte nicht erhalten werden. So wurden zuletzt 1957 die sechs größten Prospektpfeifen durch die Orgelbauer Ahrend und Brunzema gemäß dem damaligen Kenntnisstand rekonstruiert. Sechs Jahrzehnten haben sie gehalten. Nun erweisen sie sich als zu weich. Sie werden komplett neu angefertigt. Das Foto zeigt einen der letzten Arbeitsschritte an der größten neuen Pfeife: Sie muss mit Wasser und Lappen gereinigt werden. Bevor sie gemeinsam mit fünf weiteren Pfeifen ihre vornehmen Platz im Gehäuse einnimmt, wird eine Goldfolie aufgebracht.

Stand: 24.09.2020


Das Orgelgehäuse: Naturbelassen oder in Farbe?

Allerlei Uttumer Gemeindeglieder erinnern sich und ältere Schwarz-Weiß-Fotografien belegen es: Das Gehäuse der Uttumer Orgel erstrahlte nicht immer in den heutigen Farben. Die verdanken sich dem Schaffen des Kirchenmalers Hermann Oetken aus den Jahren 1970 / 71. Was liegt näher, als im Rahmen der Orgelrestaurierung die ursprüngliche Farbgebung des Gehäuses zu erforschen?

Mit der Untersuchung beauftragt wurde der Diplomrestaurator Dietrich Wellmer. In Mai und Juni 2020 begab er sich ans Werk. Das Ergebnis seiner Bemühungen lautet: Abgesehen von Unterschieden in dem einen oder anderen Detail orientiert sich die aktuelle Farbgebung weitgehend an der nachweisbar ersten vollständigen Farbfassung aus dem Jahr 1716. Dietrich Wellmer empfiehlt daher, sich bei der Restaurierung des Orgelgehäuses auf die Ausbesserung schadhafter Stellen zu beschränken.  

Gehäuseuntersuchung: Wie lauten die Ergebnisse im Einzelnen?

Stratigrafischer Fassungsschnitt mittels Skalpell sowie Mikroskopie: So heißen die zur Untersuchung der Farbgebung des Orgelgehäuses zur Verfügung stehenden Instrumentarien. Mit ihrer Hilfe hat Dietrich Wellmer vier Farbfassungen deutlich und eine ältere Fassung fragmentarisch nachweisen können.

In den Jahren nach ihrer Erbauung um 1660 war der Großteil des Gehäuses holzsichtig.

Nach Erbauung der Orgel um das Jahr 1660 ist das Orgelgehäuse weitgehend holzsichtig gewesen.

Im Jahr 1716 erhielt die Orgel durch Umbauten ihre heutige Form und ihre erste vollständige Farbfassung. Dieses Jahr ist belegt durch eine Inschrift auf der Rückseite eines der Flügel. Gleichwohl können die Flügel älteren Datums sein.

Die zweite Farbfassung datiert in die Zeit nach dem Abbau der Orgel 1804 und ihrem Wiederaufbau 1829 durch Johann Gottfried Rohlfs und ist reinweiß mit Vergoldungen hier und da. Der Abbau war infolge des Einsturzes des steinernen Tonnengewölbers der Kirche erfolgt.

Eine dritte Farbfassung ist um 1924 im Stil der Holzimmitationsmalerei erfolgt. Auf den Flügeltüren sind illusionistische Orgelpfeifen aufgemalt worden. So wirkte das Pfeifenwerk imposanter.

Die vierte (und heutige) Farbfassung erfolgte in den Jahren 1970 / 71. Die "illusionistischen Orgelpfeifen" jedoch wurden navh Erinnerung des Orgelbauers Jürgen Ahrend bereits im Zuge der Restaurierung 1956 / 57 überstrichen.

Das Gehäuse der Uttumer Orgel: Nicht alle Fragen sind vollständig beantwortet. Immerhin haben die bisherigen Arbeiten und Untersuchungen manchen Aufschluss ergeben.

Orgel nach 1924 mit Holzimmitationsmalereir
Orgel 1957 oder später: Die Holzimmitationsmalerei ist bereits überstrichen

18. Mai 2020: Ein Besuch in der Werkstatt

Es ist der 18. Mai 2020, ein Montag bei schönstem Wetter. Reichlich vier Wochen ist es her, dass die Uttumer Orgel ihren Weg in die Orgelbauwerkstat Ahrend gefunden hat. Was ist inzwischen geschehen? Ein Besuch in der Werkstatt gibt Aufschluss.

Der erste Eindruck: Sie ist gar nicht da, die Orgel. Nicht, als ob sie abhanden gekommen wäre. Aber das gewohnte und vertraute Bild der Orgel in ihrer Gesamtheit vor Augen gibt es nicht. Sie ist buchstäblich in alle Einzelteile zerlegt und findet sich Stück für Stück in den verschiedensten Räumlichkeiten - oder sagt man: Abteilungen? - der Werkstatt wieder. Hier das Gehäuse oder auch nur Teile davon, dort die Bälge, dort die Pfeifen. Und was es sonst noch mehr gibt. Das eine Stück ist bereits bearbeitet und hergerichtet, das andere ist gerade in Arbeit, das dritte lagert noch im Regal.

Der zweite Eindruck: Da steckt vielmehr Arbeit drin, als man sich als Laie vorstellen kann. Jedes Einzelteil wird geprüft: In welchem Zustand befindet es sich? Was ist zu tun - und was sollte man besser nicht tun? Das ist etwas anderes, als wenn man sich eine neue Küche oder eine Couchgarnitur für das Wohnzimmer kauft. Es wird restauriert - nicht entsorgt. Erneuert wird einzig, was verrottet und nicht mehr zu retten ist, und sei es ein wenige Zentimeter großes und breites Stück des alten Eichengehäuses.

Dazu gesellen sich Überraschungen: Da sind auf den Oberflächen einiger Pfeifen merkwürdige Strukturen zu erkennen. Was ist der Grund dafür? Da findet sich im Inneren des Gehäuses eine Skizze in das Holz eingraviert. Welchen Zweck hat sie gehabt?

Und so lautet der letzte Eindruck: Hut ab vor der diffizilen Kunst des Orgelbaus und der Orgelrestaurierung. Und bis am Ende wieder alles zusammengefügt ist und die Orgel in ihrer Gesamtheit an ihrem alten Platz in neuem Glanz erstrahlt: ein Puzzle ist nichts dagegen.  


9. Mai 2020: Ersatzinstrument ist angekommen

Pünktlich am 9. Mai 2020 hat Orgelbauer Jürgen Ahrend eine Truhenorgel in die Uttumer Kirche gebracht. Pünktlich, denn am 10. Mai hätte in dieser Corona - Zeit erstmals wieder ein Gottesdienst stattfinden können. Und wenn die versammelte Gemeinde, wie empfohlen, auf Gesang verzichten sollte, so hätte sie sich wenigstens am Klang dieses Instruments erfreuen können.

Allein, so weit war es noch nicht. Die Wiederaufnahme der Gottesdienste in der Kirche will aus Gründen des Gesundheitsschutzes wohl überlegt und bestens geplant sein.


15. und 16. April 2020: Die Orgel verlässt die Kirche

 

Blauer Himmel, strahlendes Sonnenlicht: Ein Frühlingstag, wie er im Buche steht und wie gemacht für einen Spaziergang. Viele haben, Corona sei's geklagt, mehr Zeit als gewohnt.

Seitens der Orgelbauwerkstatt Ahrend ruht die Arbeit nicht. Power und Finesse sind gefragt, denn es gilt, die Uttumer Orgel abzubauen. Zahlreiche Pfeifen wurden bereits am 12. März des Jahres geborgen. Heute folgt der "große Rest": die verbliebenen Prospektpfeifen und das gesamte Gehäuse nebst handwerklich kunstvollem Innenleben, dazu die historischen Bälge..

Vom Aufbau eines Gerüstes bis hin zur sicheren Verpackung muss jeder Handgriff sitzen. Sechs Mann hoch haben ihr Tun. Überraschungen sind eingeplant. So ist die Orgel tief in die Empore eingelassen, deren Boden vor Jahrzehnten erhöht worden war. Soll und kann das so bleiben? Die Gedanken eilen voraus. Und bei alledem: Es ist nicht viel Platz zum Arbeiten, eigentlich zu wenig. Phantasie ist gefragt. Nur Stück gut Stück geht es voran.

Die Gemeinde freut sich auf die Rückkehr der Orgel. Es wird einige Monate dauern.


12. März 2020: Der Anfang ist gemacht

Es ist nicht spektakulär, was da am Vormittag des 12. März 2020 in der Uttumer Kirche vor sich geht. Zwei Mitarbeitende der Orgelbaufirma Ahrend sind mit einem Transporter vorgefahren. Ihre Aufgabe ist es, die Pfeifen einiger der insgesamt 9 Register der Orgel auszubauen und in die Werkstatt nach Leer zu transportieren. Doch bis es soweit ist sind Geduld und Sorgfalt gefragt.

Zunächst finden einige große Transportkisten aus Holz ihren Weg in den Chorraum der Kirche. Sie sind so alt wie das Unternehmen Orgelbau Jürgen Ahrend, ehemals Ahrend und Brunzema, selbst und verrichteh nach wie vor beste Dienste. Werkzeuge und jede Menge Verpackungsmaterial vervollständigen das Bild.

Die Orgel steht auf der Empore auf der Ostseite der Kirche. Eine schmale und steile Treppe führt zu ihr "empor". Da bringt man die Transportkisten weder hinauf noch hinunter. Viel Platz zum Arbeiten gibt es ohnehin nicht. Gerade mal 40 Zentimeter tief ist der Zwischenraum zwischen Orgelrückwand und Emporenwand.

Stück für Stück wird eine Orgelpfeife nach der anderen aus dem Gehäuse der Orgel entnommen, und Stück für Stück wird jede einzelne von ihnen mittels eines kleinen Etiketts beschriftet. Schließlich gilt es, sie am Ende der Restaurierung wieder an ihren angestammten Platz zu setzen.

Dann heißt es, dutzende Male die Treppe hinauf- und wieder herabsteigen. Die kleinen Pfeifen lassen sich in einem Pfeifenstock "im Paket" transportieren. Die größeren und großen Pfeifen müssen mitunter einzeln getragen werden. Es handelt sich um mehrere hundert Pfeifen, die nach und nach in den Transportkisten verstaut werden.  

Zum Glück gelangt jede Arbeit einmal an ihr Ende. Gut verpackt und gelagert werden die Pfeifen in die Werkstatt nach Leer transportiert. In der Uttumer Kirche ist von alledem nichts mehr zu sehen. Kisten und Materialien sind verschwunden. Selbst die Orgel erweckt äußerlich den Anschein, als sei nichts geschehen. Die großen Prospektpfeifen sind noch da, die Orgel ist sogar noch spielbar. Allerdings können nicht mehr alle Register gezogen werden.

 

Uttum, den 12 März 2020


Stiftung Orgelklang: Uttumer Orgel ist Orgel des Monats Februar

Seit ihrer Gründung im Jahr 2007 engagiert sich die Stiftung Orgelklang für die Bewahrung von historischen Orgeln in evangelischen Kirchen in ganz Deutschland. Sie hat seither mehr als 180 Förderzusagen für die Sanierung von Kirchenorgeln erteilt. Auch den Förderantrag der Evangelisch - reformierten Kirchengemeinde Uttum zur Restaurierung ihres historischen Instruments hat sie im Jahr 2019 positiv entschieden.

Zum Konzept der Stiftung Orgelklang gehört es, monatlich eine der förderungsfähigen Orgeln zur "Orgel des Monats" zu küren. Im Februar 2020 fällt die Wahl zur Freude der Kirchengemeinde auf die Uttumer Orgel.

Im Jahr 2020 fördert die Stiftung Orgelklang 19 Projekte. Zur Verfügung stehen dafür 55.000 Euro bzw. 110.000 Euro inklusive Projektspenden. 3.000 Euro kommen der Uttumer Orgel zugute. Die Evangelisch - reformierten Kirchengemeinde hat ihrerseits seit dem Jahr 2003 die Gemeindeglieder um Spenden zugunsten der Orgel gebeten. Angereichert durch Kollekten, Erlöse und Spenden etwa im Rahmen kirchenmusikalischer Veranstaltungen konnte im Lauf der Zeit ein beachtliches Eigenkapital angespart werden, wobei sich nach und nach auch der Umfang der erforderlichen Arbeiten als größer erwies als zunächst gedacht.

Noch muss sich die Uttumer Gemeinde gedulden. Aus terminlichen Gründen auf Seiten des Orgelbauers Hendrik Ahrend konnten die Arbeiten nicht wie vorgesehen im Januar 2020 beginnen. Auf ein paar Wochen mehr oder weniger wird es nach so langer Vorbereitungszeit jedoch nicht ankommen.

Neben der "Orgel des Monats" kürt die Stiftung Orgelklang auch die "Orgel des Jahres". Sie wird am Ende eines Jahres aus den 12 vorgestellten Projekten gewählt. Die Wahl erfolgt online, und man kann sogar etwas gewinnen. Vielleicht darf sich die Uttumer Orgel Chancen ausrechnen?

Mehr Informationen finden sich im Internet unter www.stiftung-orgelklang.de

Uttum, den 18. Februar 2020


Spielt auf zum Abschied und Auftakt"

Ein letztes Mal sollte die Orgel am Freitag, dem 10. Januar 2020 vor großem Publikum erklingen. Der Beginn der Restaurierungsarbeiten  war für den Beginn der darauf folgenden Woche geplant. Doch Letzteres kam anders.

Wenn auch die Stimme der Orgel im Mittelpunkt der gut besuchten Veranstaltung stand: Es war kein reines Konzertprogramm, das die Gäste der Uttuner Kirchengemeinde an diesem Abend erwartete.

Orgelbauer Hendrik Ahrend beschrieb die Besonderheiten des Instruments und umriss auf unterhaltsame Weise die Ziele der vorgesehenen Arbeiten. Einbezogen sei das ganze Werk vom Gehäuse bis zu den Pfeifen. Eine besondere Chance und Herausforderung zugleich stelle die Restaurierung der historischen Balganlage dar. Solche Bälge seien mit der Einführung elektrischer Gebläse vielerorts entfernt worden, erfreulicherweise jedoch nicht in Uttum. Hendrik Ahrend erinnerte daran, dass bei den in den Jahren 1956/57 durchgeführten Arbeiten an der Orgel die Balganlage aus Kostengründen nur notdürftig repariert worden sei und gar zwei der drei Bälge stillgelegt worden seien.

Christian Janssen, der Vorsitzende des Kirchenrats, legte die Finanzierung der Maßnahme dar: Über die Jahre konnten durch Spenden und diverse Aktionen Eigenmittel der Kirchengemeinde in beachtlicher Höhe angespart werden. Durch die Aufnahme in das Denkmalschutzsonderprogramm VII des Bundes sei der Durchbruch gelungen, nicht zuletzt dank der Fürsprache der MdB's Johann Saathoff und Ulla Ihnen. Stiftungsmittel seien beantragt und zugesagt worden. Beteiligen würden sich die Stiftung Orgelklang, gemeinsam mit der Stiftung KiBa, die Niedersächsische Sparkassenstiftung in Zusammenarbeit mit der Sparkasse Aurich Norden, die Klosterkammer Hannover sowie die Gerhard ten Doornkaat Koolman - Stiftung. Auch die Evangelisch - reformierte Landeskirche habe einen beachtenswerten Förderbetrag zugesagt.

In den Reigen der Wortbeiträge einbezogen war auch Uttums langjähriger Pastor Hartmut Schaudinn, seit Oktober 2019 im Ruhestand. Er schlug einen Bogen von der bevorstehenden Restaurierung zu jener durch die Orgelbauer Ahrend und Brunzema in den Jahren 1956 / 57 und beschrieb, wie sich gut fünfzig Jahre danach neuerlich die Notwendigkeit ergab, Hand an das historische Instrument zu legen. Seit 2003 verfolge die Kirchengemeinde mit großer Beharrlichkeit das Ziel, die Orgel zu sanieren. Auch Kurioses wusste Pastor Schaudinn zu erzählen. So gab es im Jahr 1931 die Empfehlung eines Orgelschachverständigen (tatsächlich: eines Orgelbauers), die Uttumer Orgel durch einen Neubau zu ersetzen. Der Ev.-ref. Landeskirchenrat (damaks Aurich) habe diese Empfehlung übernommen. Einzig für den Fall, dass die finanziellen Mittel für einen solchen Neubau nicht zur Verfügung stünden, sei eine Reparatur des vorhandenen Instruments angeraten. Diese Mittel standen zwei Jahre nach der Weltwirtschaftskrise nicht zur Verfügung - nicht in Uttum, nicht bei der Reformierten Kirche und nicht bei der Denkmalpflege. Von heute aus betrachtet: Was für ein Glück. Noch im gleichen Jahr hatte die Uttumer Kirchengemeinde ein weiteres Ereignis zu verkraften: Im Dezember brach die Westseite des Kirchturms ein. Für seine vollständige Restaurierung standen erst recht keine ausreichenden Mittel zur Verfügung.

Der eigentliche Höhepunkt der Veranstaltung war der musikalische Teil des Abends in der Uttumer Kirche. Landeskirchenusikdirektor Winfried Dahlke präsentierte ein ausgewogenes Programm weltlicher wie geistlicher Stücke aus der Entstehungszeit der Orgel. Dabei zog er keineswegs alle Register auf eimal, sondern brachte mal dieses und mal jenes "solo" zu Gehör oder auch in Kombination mit einem oder wenigen weiteren der insgesamt neun Register. Die Vielfalt der Töne und Farben war schlicht beeindruckend, wenn je und dann auch zu hören war: da muss etwas instandgesetzt werden.

Im weiteren Verlauf bot der junge Orgelschüler Jan Siekmann, aus Cirkwehrum stammend, einige zeitgenössische Stücke dar. Zum guten Schluss sang die versammelte Besucherschar das Lied "Von guten Mächten wunderbar geborgen". Sie wurde begleitet von der Organistin Elke Steps-Prell, die zum 1. Advent 2019 auf eine 30jährige Tätigkeit in Uttum zurückblicken konnte. Christian Janssen bedankte sich im Namen der Kirchengemeinde bei ihr und überreichte einen Blumenstrauß.  

"Spielt auf zum Abschied und Auftakt", lautete das Motto der Veranstaltung. Doch der Beginn der Restaurierungsarbeiten musste aus terminlichen Gründen kurzfristig verschoben werden. So zieht sich der Abschied von der Orgel bis Anfang März hin, und der Auftakt lässt bis dahin auf sich warten.

Veranstaltung "Spielt auf zum Abschied und Auftakt": In der gut besuchten Uttunmer Kirche spielten Landeskirchemusikdirektor Winfried Dahlke sowie der Orgelschüler Jan Siekmann auf.

 

Und so berichtet die Presse:


Bewegte Geschichte und ungelöste Fragen

"Bewegt" ist die Geschichte der Uttumer Renaissance - Orgel im wahrsten Sinn des Wortes.

Errichtet wurde sie ursprünglich auf der westlichen Empore des Kirchenschiffs. Als im Jahr 1804 das steinerne Tonnengewölbe der Kirche herunterstürzte, gab es an diesem Ort kein Halten mehr. Die Orgelbauer Gebr. Rohlfs aus Esens haben die Orgel geborgen und auf der östlichen Empore wieder aufgebaut.

An vorderster Stelle der "ungelösten Fragen" stehen jene nach ihrem Erbauer / ihren Erbauern und dem genauen Entstehungsdatum. Es gibt Mutmaßungen, doch gewiss ist nichts. Auch Kurioses lässt sich finden: So wurden im Jahr 1947 (oder etwas später) Orgelpfeifen mit einem Gesamtgewicht von 16 Pfund verkauft. Sie lagen zuvor jahrelang im Orgelschrank. Aus Anlass einer Reparatur der Orgel erklärte ein Orgelbauer, die Pfeifen seien nicht besonders wertvoll. Der damalige Orgelsachberater des Amtes für Kirchenmusik in der Ev.-ref. Kirche stufte die Pfeifen als "jüngeren Datums" ein. Der Erlös des Verkaufs in Höhe von 55 D-Mark - erwartet waren 100 D-Mark - wurde verwendet, um eine offene Rechnung zur Reparatur von Instrumenten des Posaunenchores zu begleichen. Anders, so rechtfertigt es der ehemalige Ortspastor, der zwischenzeitlich in eine andere Pfarrstelle gewechselt war in einem Schreiben aus dem Jahr 1952, seien die dazu notwendigen Mittel der zu jener Zeit "stark verschuldeten Kirchengemeinde" nicht aufzubringen gewesen. Doch was für Pfeifen mögen es gewesen sein? Immerhin ist sich die Fachwelt einig, dass das Pfeifenwerk der Orgel (und anderes mehr) fast vollständig original erhalten ist.

Rein äußerlich hat die Orgel mehrfach ihr Aussehen verändert. Die heutige Farbgebung stammt aus dem Jahr 1971. Zwei Schwarzweiß - Fotos aus den Jahren zuvor bescheinigen ein ganz anderes Erscheinungsbild, übrigens auch des Kircheninneren. Das ältere der beigefügten Fotos zeigt die Bemalung der Flügeltüren mit aufgemalten Orgelpfeifen. So sollte das Werk vermutlich imposanter wirken, als es in Wahrheit ist. Ein Foto aus der zweiten Hälfte der 1950er Jahre zeigt stattdessen helle weiße Flächen auf den Flügeltüren. Wie mag die Orgel ursprünglich ausgesehen haben?


Uttumer Orgel in Japan?

Nein, die Uttumer Orgel wird nicht etwa nach Japan verschifft, um dort restauriert zu werden. Auch wenn es dort eine lebendige Orgelkultur gibt.

Sie hat dazu geführt, dass es in der der Kwassui University in Nagasaki einen an die Uttumer Orgel angelehnten Nachbau gibt. Er gibt Studierenden die Möglichkeit, alte Musik an einem historisierenden Instrument zu erarbeiten. Diesen Hinweis verdanken wir dem Organisten Thiemo Janssen an der Ludgeri - Kirche in Norden. Thiemo Janssen hat vor einigen Jahren das Einweihungskonzert der Orgel an der Kwassui University gespielt - "eine sehr gute Orgel", so lässt er uns wissen.

Das Original freilich steht in Uttum. Es ist nach der Renovierung durch Jürgen Ahrend und Gerhard Brunzema 1956/57 in die Jahre gekommen. Im Januar 2020 beginnt seine Restaurierung, neuerlich durch Orgelbauer Ahrend.


Orgelrestaurierung nimmt Fahrt auf

Es war der entscheidende Impuls auf dem Weg zur Sanierung der Uttumer Orgel: Am 8. November 2018 bewilligte der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages die Förderung dieser Maßnahme aus Mitteln des Denkmalschutzsonderprogramms VII. Die Höhe der Förderung beträgt rund 90.000 Euro und macht die Hälfte des erforderlichen Gesamtbetrags aus.

Somit war der Weg geebnet, an weiteren Stellen finanzielle Unterstützung zu erbitten. Die Stiftung Orgelklang, die Niedersächsische Sparkassenstiftung in Kooperation mit der Sparkasse Aurich - Norden, die Klosterkammer Hannover und die Gerhard ten Doornkaat - Koolman Stiftung: Sie alle konnten für das Projekt gewonnen werden und tragen gemeinsam etwa zwanzig Prozent der Gesamtsumme. Den ausstehenden Betrag übernehmen gemeinschaftlich die Evangelisch - reformierte Kirche und die Kirchengemeinde Uttum.

Letztere hatte über viele Jahre auf das Projekt hingearbeitet und konnte allerlei Eigenmittel durch Aktionen, Spendenaufrufe usw. erwirtschaften. Nachdem sie es im Jahr 2013 zustande gebrachte hatte, ihr historisches Geläut durch eine neue Glocke zu vervollständigen, ist die Restaurierung der Orgel ihr zweites kostspieliges Projekt in relativ  kurzer Zeit. Und das Dritte steht an: Dringend erforderlich ist die Sanierung des Kirchturms. Die vorausberechneten Kosten dafür sind so schwindelerregend hoch wie es der Turm vor seinem Einsturz im Jahr 1931 war.

 

Die Mitglieder des Bundestages, Ulla Ihnen (FDP) und Johann Saathoff /SPD), haben sich für die Förderung der Restaurierung der Uttumer Orgel aus Bundesmitteln eingesetzt. Der Haushaltsausschuss bewilligte 50% der Gesamtkosten  

 

Der ehemalige Bürgermeister der Gemeinde Krummhörn und heutiges Mitglied des Bundestages Johann Saathoff (SPD) lässt sich von Pastor Hartmut Schaudinn über Art und Umfang der erforderlichen Sanierungsarbeiten an der historischen Orgel in Uttum informieren.